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Das Schweizer Krankenkassensystem – Alles was man wissen muss

Lesezeit: 5 Minuten

Wie genau funktioniert die Krankenversicherung in der Schweiz?

In der Schweiz herrscht eine Versicherungspflicht, anders gesagt man muss jederzeit krankenversichert sein. Man sagt auch die Krankenversicherung ist obligatorisch. Dabei handelt es sich dann um eine Basisversicherung, die von fast jeder Krankenkasse angeboten wird. Darüber hinaus gibt es eine freiwillige Zusatzversicherung, welche die rudimentäre Grundversicherung um diverse Leistungen ergänzt.

Wenn man nun neu in die Schweiz zugezogen ist hat man drei Monate Zeit sich für eine Krankenkasse zu entscheiden, die einem zusagt. Allerdings sind hier die Leistungen überall zu 99% identisch bzw. die Grundleistungen sind zu 100% identisch, aber vielleicht gibt es bei der einen oder anderen Versicherung noch etwas on top. Dafür unterscheiden sich allerdings auch die Prämien der unterschiedlichen Krankenversicherungen.

Notiz: Man hat zwar drei Monate Zeit sich für eine Krankenversicherung zu entschieden, ist aber ab Tag eins versichert und zahlt die Prämien dann rückwirkend nach, sobald man sich entschieden hat.

Grob kann man sagen, dass die obligatorische Versicherung folgende drei Leistungen abdeckt:

    1. Krankheit
    2. Mutterschaft
    3. Unfälle (Arbeitet man mehr als acht Stunden bei ein und demselben Arbeitgeber, dann ist man ohnehin über diesen abgesichert und kann diesen Teil beim Versicherungsabschluss ausschliessen)

Der übliche Prozess läuft dann so ab:

  1. Man sucht sich einen oder mehrere Anbieter aus.
  2. Dann fordert man eine sogenannte Offerte an. Dabei handelt es sich quasi um ein unverbindliches Angebot. Dies handhabt jede Krankenversicherung so. Tipp: Bei mir hat sich gezeigt, dass auch Tage nach dem anfordern der Offerte noch einige Anrufe eingingen, wo versucht wurde mich zu überzeugen zu Versicherung A oder B zu gehen (Nicht bei der obligatorischen, aber bei anderen Versicherungen). Daher vielleicht nicht 20 Offerten gleichzeitig anfordern!
  3. Nachdem man die Offerte erhalten hat und wenn einem alles zusagt kann man einen Antrag erstellen. Wird dieser genehmigt (bei der obligatorischen passiert dies quasi immer, bei anderen muss der Antrag noch geprüft werden), dann tritt die Versicherung in Kraft.

Was kostet mich die Krankenversicherung in der Schweiz?

Diese Frage interessiert natürlich viele Leute, die in die Schweiz kommen, dass es potenziell erhebliche Kosten verursachen kann. Wie so oft im Leben lässt sich dies nicht so einfach und pauschal beantworten. Um ein ungefähres Bild zu bekommen schlage ich vor die folgenden Fragen zu beantworten.

Grundsätzlich noch vorne weg sei angemerkt, dass nach meinem Wissensstand die Krankenversicherung von diversen Faktoren abhängt (Wohnort, Alter, etc.) und diese den Preis natürlich auch beeinflussen. Sie hängt aber vom Einkommen ab. Somit fällt sie immer weniger ins Gewicht, je mehr man verdient.

Frage 1: Nur die Grundversicherung oder auch eine Zusatzversicherung?

Dies ist eine absolut individuelle Frage, da sie sehr stark mit der persönlichen Gesundheit und dem eigenen Risikobedürfnis zusammenhängt. Wo eine Zusatzversicherung preislich einzuordnen ist, ist absolut ausserhalb des Umfangs dieses Artikels, da es unendlich viele verschiedene Möglichkeiten diesbezüglich gibt. Daher konzentriere ich mich im weiteren lediglich auf die Grundversicherung.

Bei den Zusatzversicherungen gibt es eigentlich kein Limit nach oben, je nachdem was man versichern möchte.

Frage 2: Wo wohne ich?, Wie alt bin ich?, etc.

Der Wohnort, das Alter und andere Faktoren spielen alle auch eine Rolle bezüglich der der Höhe der Prämie. Das Alter spielt hier sicherlich die grösste Rolle. Pauschal kann man glaube ich sagen, je älter, desto teurer. Dies ist allerdings weniger eine Frage, da man hier sicherlich kaum etwas dran ändern kann. Man sollte nur wissen, dass dies auch in die Berechnung mit einfliesst.

Frage 3: Grösst mögliche Flexibilität oder Zufrieden mit gewissen Vorgaben?

Eine der beiden Möglichkeiten die monatliche Prämie stark zu beeinflussen ist die Wahl des Versicherungsmodells. Hierbei gibt es auf der einen Seite das klassiche Modell. In diesem Modell hat man die Möglichkeit zu jedem Arzt und jeder Apotheke zu gehen und solange die Leistung an sich von der Krankenkasse gedeckt wird, wird auch der entsprechende Besuch von der Krankenkasse bezahlt. Dieses Modell ist sehr komfortabel und flexibel, aber auch das teurere. Die zweite Variante ist das alternative Modell. Hierbei handelt es sich um drei verschiedene Modelle, die unter den Alternativen Modellen angesiedelt sind. Diese sind fast immer 10%-25% günstiger, als das klassische Modell, jedoch je nach Modell mit Einschränkungen verbunden.

Im folgenden, möchte ich die drei Modell ganz kurz erklären:

  1. Hausarzt Modell: Wie der Name schon sagt ist man an einen Hausarzt gebunden und sucht diesen stets als erste Anlaufstelle auf. Sollte dieser es für nötig erachten, dass man einen Spezialisten aufsucht, so ist dies danach natürlich möglich.
  2. Telmed Modell: In diesem Modell ist man verpflichtet zuerst stets eine telefonische Konsultation durchzuführen. Erst in einem zweiten Schritt wird dann ein physischer Arzt aufgesucht, sofern noch nötig.
  3. HMO Modell: Bei diesem Modell verpflichtet man sich ein Ärzte Zentrum, in dem viele Leistungen gebündelt werden aufzusuchen.

Die genauen Spezifika müssen dann natürlich bei der jeweiligen Verischerung und im jeweiligen Modell nachgelesen werden.

Frage 4: Tendenziell eher gesund oder häufiger mal krank?

Die vierte und letzte Frage beeinflusst die monatliche Prämie am stärksten. Hierbei geht es um die Höhe der Franchise. Die Franchise ist der Betrag, den man im Jahr zu zahlen hat, bis die Versicherung anfängt Kosten zu übernehmen. Für Erwachsene reicht diese von 300 CHF (niedrigster Betrag) bis hin zu 2500 CHF (höchster Betrag). Wählt man nun eine geringe Franchise, dann zahlt man nur diesen Betrag in vollem Umfang selbst. Ist diese dann “aufgebraucht”, so zahlt die Krankenkasse 90% und man selbst zahlt nur noch 10% des Preises bis auch der Selbstbehalt aufgebraucht ist (Hinweis: Bei originalen Medikamenten, für die ein Generikum erhältlich sind, sind es 20%). Der Selbstbehalt kann nicht beeinflusst werden und beträgt für Erwachsene immer 700 Franken / Jahr. Im Falle einer hohen Franchise zahlt man eben bis zu diesem Betrag und danach verhällt es sich analog.

Im Endeffekt handelt es sich dabei um eine Art Wette auf die eigene Gesundheit. So wählt man am besten eine möglichst niedrige Franchise, wenn man der Meinung ist recht schnell über den angegebenen Betrag zu kommen und eine hohe Franchise, wenn man der Meinung ist im laufenden Jahr eher nicht häufig zum Arzt zu müssen. Je niedriger die Franchise, desto höher die monatliche Prämie.

Zum Schluss ein Beispiel

Am Ende noch ein kleines Rechenbeispiel, das helfen soll, um alles noch einmal zu verdeutlichen und zu helfen das ganze nochmal selbst abschätzen zu können. Ich gehe davon aus, dass es sich nicht um einen Spitalbesuch handelt. Dort müsste man nämlich auch noch den Spitalkostenbeitrag zahlen. Auch gehe ich davon aus, dass es kein Unfall oder eine Mutterschaft ist, denn diese sind von der Franchise befreit bzw. werden durch die Unfallversicherung übernommen.

Beispiel mit Franchise 300 CHF:

RECHNUNGEN im Jahr
Bezeichnung Betrag
 Artztbesuche 2100,- CHF
 Medikamente Generika 200,- CHF
SUMME 2300,- CHF

 

KOSTENÜBERNAHME der KASSE
Kosten Krankheiten 2300,- CHF
Minus Franchise (300 CHF) – 300,- CHF
Restbetrag Selbstbehalt 2000,- CHF
Minus 10% Artzbesuche – 210,- CHF
Minus 10% Generika – 20,- CHF
SUMME KOSTENÜBERNAHME 1770,- CHF

Dieses Beispiel soll nur noch einmal zu Verständnis dienen. Einfacher ist es sicher, wenn man einen Rechner wie diesen hier dafür benutzt: https://www.dschungelkompass.ch/krankenkassen/franchisen.xhtml#rechner.

Fazit

Alles in allem gibt es einige Dinge, die das Schweizer Krankenkassensystem etwas anders macht, als in den Nachbarländern und die es zu verstehen gilt. Hat man dies aber einmal durchblickt bietet das System auch einige Stellschrauben, die viel Individualität erlauben. Dadurch lassen sich Leistungen und Kosten deutlich beeinflussen.

Weiterführende Links:

 

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