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Eigenen Router hinter der Salt Fiber Box Betreiben – Geht das?

Lesezeit: 7 Minuten

Wer vielleicht schon einen meiner anderen Artikel bzgl. Salt Fiber und meiner Problemchen mit der Fiber Box gelesen hat, der wird vielleicht auch über das folgende Problem gestossen sein.

Da ich ähnlich wie viele andere Leute etwas anspruchsvollere Dinge in meinem Heimnetz vor habe und es z.B. von aussen erreichbar machen möchte ohne Salt dafür knapp 10 CHF zu zahlen muss man manchmal ein Paar Umwege gehen.

Um das noch einmal kurz festzuhalten. Ich bin bisher sehr zufrieden mit Salt. Als ich in die Schweiz gekommen bin war ich nur zuerst etwas erschrocken über die Preise der anderen Anbieter und habe mich eben für dieses attraktive Angebot entschieden. Ich möchte mich gar nicht beklagen, denn ich zahle für mein Gesamtpaket eben auch deutlich weniger, als bei anderen Anbietern. Man muss eben nur etwas erfinderisch werden. 😉 Nun aber zurück zum Thema.

Warum einen eigenen Router hinter der Salt Fiber Box?

Für mich persönlich gab es folgende zwei Hauptgründe dafür:

  • Geschwindigkeit: Ich habe festgestellt, dass die Salt Box mit vielen Geräten im WLAN (Bei uns sind es 10+) nicht sehr gut klar kommt. Zuerst dachte ich, dass es einfach störende WLAN Signale der Nachbarn, zu nahe stehende Geräte oder eine unglückliche Ausrichtung gewesen sein. Nachdem ich aber mit allen möglichen Tools den WLAN Empfang getestet habe und auch ein Speedtest immer wieder super Ergebnisse erzielt hatte blieb für mich nur noch diese Möglichkeit übrig. Einfach etwas schwach auf der Brust.
  • Mehr Möglichkeiten: Jeder, der die Salt Box schon einmal genutzt hat, der weiss, dass es um weitere Möglichkeiten eher sparsam aussieht. Alles, was über das “normale” hinausgeht ist aus meiner Sicht entweder nicht vorhanden oder funktioniert nur sehr eingeschränkt.
  • Mehr: Dazu gibt es dann sicherlich noch etliche weitere Gründe, wie besseren Support, bessere Sicherheit, schnellere Updates, Mediaserver Funktionen, etc…

Ich möchte aber nicht vorenthalten, dass es auch ein Paar Nachteile gibt:

  • Strom: Da jetzt zwei Geräte laufen kostet es natürlich auch mehr Strom. Wenn man das WLAN der Salt Box ausschaltet hält es sich aber in Grenzen.
  • Komplizierter: Da es so eigentlich nicht vorgesehen ist bietet auch hier die Salt Box nicht wirklich viele Möglichkeiten, sodass man wieder einmal etwas tricksen muss.
  • Kosten: Klar, der zweite Router ist nicht im Preis drin und muss somit extra bezahlt werden. Dafür kann man ihn aber auch später mitnehmen, wenn man umzieht oder zu einem anderen Anbieter wechselt.
  • Keine 10 Gigabit/s mehr: Da der neue Router mit grosser Sicherheit kein 10 Gigabit/s unterstützen wird könnt ihr es auch nicht mehr benutzen. Da aber 99,9% der Salt Nutzer dies ohnehin nicht wahrnehmen halte ich es für verkraftbar.

Pro & Con - eigener Router

Vorteile

  • Deutlich schneller mit vielen Geräten
  • Viel mehr Funktionen, je nach Router
  • Besserer Support
  • Höhere Sicherheit
  • Weitere nette Goodies und Funktionen

Nachteile

  • Leicht höhere Stromkosten
  • Grösserer Aufwand beim einrichten
  • Extrakosten für den Router
  • Kein 10 Gigabit/s mehr

Für welchen Router habe ich mich entschieden?

Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, für welchen Router ich mich entschieden habe. Bei mir ist es die AVM Fritzbox 7590 geworden. Dies ist das Flagschiffmodell von AVM und sicherlich overkill für viele Anwender. Ich wollte aber alle Features und kann diesen Router noch lange benutzen, auch wenn ich mal nicht mehr bei Salt bin. Wer übrigens weiter oben bzgl. des Themas Sicherheit gelächelt hat, dem sei dieser Artikel bzgl. der Sicherheitslücken in vielen aktuellen Routern angeraten. AVM hat dabei immerhin am besten abgeschnitten. 😉

Deshalb auch alle Erklärungen Anhand der Fritzbox. Es sollte aber grundsätzlich auch mit anderen Routern gehen.

Was brauche ich für die Einrichtung?

Eigentlich benötigt ihr nur einen zweiten Router. Fertig. 🙂

Als Bonus habe ich noch einen RaspberriPi laufen, der für mich die Erreichbarkeit meines Heimnetzes von aussen gewährleistet. Für die Grundsätzliche Funktionalität wird dies aber nicht benötigt.

Schritt 1: Einrichtung zweiter Router

Nun aber zur tatsächlichen Einrichtung. Um loszulegen müsst ihr euren zweiten Router (Hier ab jetzt “die Fritzbox”) an den Strom anschliessen und ein Ethernet Kabel in einen der 4 LAN Ports der Salt Box stecken und diesen dann mit dem LAN 1 Port der Fritzbox verbinden.

fritzbox-lan1-port

Das war es auch schon erst einmal Hardwareseitig. Wenn das passiert ist, dann könnt ihr die Fritzbox mit dem Strom verbinden und starten. Am besten ihr verbindet euch als nächstes mit einem Laptop/Computer und einem Netzwerkkabel mit der Fritzbox. Schaltet euer WLAN an dem Gerät am besten aus, sodass ihr sicher sein könnt, dass ihr nur mit der Fritzbox verbunden seit. Ruft in eurem Browser nun die URL 192.168.2.1 auf und ihr solltet auf der Loginmaske für die Fritzbox landen.

Hier loggt ihr euch nun mit den Zugangsdaten für den Router ein. Diese findet ihr auf der Unterseite des Routers. Falls ihr den Router von jemand anderem bekommen habt, so kann es sein, dass diese Daten geändert sind. In diesem Fall müsst ihr die Fritzbox erst zurücksetzen.

Wenn wir nun eingeloggt sind, dann müssen wir durch das Setup der Fritzbox. Dieses ist eigentlich darauf angelegt den Router, wie man es sonst geht in Betrieb zu nehmen und eine Internetverbindung herzustellen. Was wir jetzt aber tun möchten ist die Fritzbox hinter einem anderen Router zu betreiben und die bestehende Internetverbindung mitzubenutzen. Das ganze nennt sich Einrichtung als kaskadierten Router und erlaubt es uns hinter unserem Router mit der Fritzbox ein eigenes Netzwerk aufzuspannen, aber dennoch mit alles Geräten dahinter ins Internet zu kommen.

Da ich kein grosser Freund davon bin alles zu wiederholen, wo sich schon jemand anderes die Mühe gemacht hat das ganze schön aufzubereiten verweise ich in diesem Fall mal auf die offizielle Dokumentation zu diesem Prozess.

Das war es auch schon von Seiten der Fritzbox. Nun zur Salt Box.

Schritt 2: Einrichtung der Salt Box

Damit die Fritzbox nun auch vernünftig mit der Salt Box kommunizieren kann müssen wir noch 1-2 Sachen in der Salt Fiber Box einstellen.

Dafür verbinden wir das vorhin benutze Netzwerkkabel anstelle der Fritzbox nun mit einem der Netzwerkanschlüsse der Salt Fiber Box. Danach rufen wir im Browser wieder die Adresse 192.168.2.1 auf und sollten auf der Oberfläche der Salt Box gelandet sein. Nachdem wir uns eingeloggt haben schalten wir wieder oben Links den “Experten” Modus ein und gehen dann auf den Reiter Netzwerk. Über LAN -> Reservation der IP-Adresse geben wir der Fritzbox nun eine feste IP-Adresse, die sie von nun an aus dem Salt Box Netz (sagt man das so?) hat. Bei mir ist es die 192.168.2.211.

feste-ip-adresse-salt-box

DMZ / Komplette Weiterleitung

Mit dieser Adresse können wir nun zum wichtigsten Schritt gehen und zwar dem eintragen der IP-Adresse unter Firewall -> DMZ. Hier tragen wir nun nämlich die IP-Adresse die wir grade der Fritzbox zugewiesen haben ein. Dadurch wird der gesamte Traffic ungefiltert zur Fritzbox weitergeleitet. Meiner Meinung nach ist das Wording an dieser Stelle mit DMZ etwas verwirrend, da ich es nur mit einer anderen Bedeutung kenne, aber gut. Muss man ja nur wissen. Da die Fritzbox ja eine eigene (bessere) Firewall hat, brauchen wir uns hier keine Sorgen zu machen. Damit sind wir eigentlich schon fertig und Geräte die sich mit der Fritzbox verbinden sollten eigentlich auch schon ins Internet können. 🙂

salt-fiber-dmz-einrichten

Noch ein paar Kleinigkeiten

Für alle die noch dem Bonus folgen wollen würde ich noch empfehlen unter Firewall alles auszuschalten bzw. auch so etwas wie einen Ping und dergleichen zu erlauben. Weiterhin auch unter dem Reiter IPv6 die Firewall ausschalten. Diese Dinge können sonst zu einem unerwarteten Verhalten führen, wenn man doch noch etwas im Salt Netz haben möchte, so wie wir in der Bonus Sektion.

Weiterhin würde ich empfehlen das WLAN und das Gäste-WLAN am Salt Router auszuschalten. Zum einen kommt es sich dann nicht mit dem WLAN der Fritzbox in die Quere und zum anderen spart ihr Strom, wenn es nicht unnötigerweise weiterläuft.

(Bonus für Fortgeschrittene) Schritt 3: Geräte hinter der Fritzbox von aussen erreichbar machen

Dies ist ein etwas fortgeschrittenere Thema, aber sicher für alle interessant, die schon meinen Artikel bzgl. DS-Lite bzw. dem eigenen Mapping Server gelesen haben. Von aussen via IPv4 erreichbar zu sein ist ja durch die DS-Lite Problematik ohne etwas tricky. Ich hatte jedoch gedacht, dass zumindest meine Geräte via IPv6 erreichbar sein könnten, da ja jedes Gerät eine IPv6 Adresse erhält und alle beteiligten Router und Geräte IPv6 sprechen.

Was nicht geht: IPv6

Nach meinem Verständnis ist dies aber nicht ohne weiteres möglich mit diesem Setup, da die Salt Box nur lokale Adressen mit einer festen breite an ihre Clients verteilt. Soll heissen die erste hälfte meiner IPv6 Adresse ist der globale Teil und die zweite hälfte ist immer der lokale Teil meiner Geräte im Salt Box Netz.

Nun ist ein Ping von aussen auf die Salt Box mit ihrer globalen IPv6 Adresse möglich und auch ein Ping auf die Fritzbox mit dem globalen Teil und ihrem eigenen lokalen Teil ist möglich. Damit ist aber nun die ganze Adresse ausgeschöpft (gggg:gggg:gggg:llll:llll:llll) und ich habe keine Möglichkeit mehr unterhalb der Fritzbox ein weiteres “Netz” mit lokalen Adressen für meine Geräte einzurichten. Dies wäre aber nötig, damit die Fritzbox diese dann wieder an die Salt Box und an draussen weiterleiten kann. Wenn mir jemand sagen kann, wie dies zu lösen ist, dann wäre ich sehr interessiert.

Was geht: IPv4

Auf der anderen Seite war IPv6 auch nicht so wichtig für mich, wie eine Erreichbarkeit via IPv4. Um dies zu erreichen bin ich vorgegangen wie in meinem Mapping Server Tutorial (bitte lesen, damit der Rest verständlich ist) mit zwei kleinen Änderungen:

  • Zum einen muss der RaspberriPi dieses mal parallel zur Fritzbox geschaltet sein, damit er via IPv6 von aussen erreichbar ist. An dieser Stelle nimmt er die IPv6 Pakete von unserem externen Server an und wandelt diese in IPv4 Pakete um.
  • Zum anderen leiten wir diesmal die Pakete nicht direkt an das Gerät weiter für welches sie bestimmt sind, sondern wir leiten es an die Fritzbox weiter. Diese kann dann über das ganz normale NAT Verfahren über den ankommenden Port bestimmen wohin (IP-Adresse ) und an welchen Port die IPv4 Pakete weitergeleitet werden sollen. Wer dies noch nie gemacht hat findet hier eine Anleitung.

Und damit funktioniert dann auch wieder alles wie vorher, zumindest bei mir im Haushalt. 😛

Ich habe das ganze auch nochmal versucht etwas grafischer darzustellen. Damit ist es dann hoffentlich einfacher zu verstehen.

fertiges-setup

Fazit:

Alles in allem funktioniert es recht einfach, die Vorteile überwiegen definitiv aus meiner Sicht die Nachteile und freue mich, dass alles läuft. Wer doch noch etwas höhere Anforderungen hat muss mit einem klein wenig Mehraufwand rechnen, als mit der “normalen” Variante.

5 Antworten auf „Eigenen Router hinter der Salt Fiber Box Betreiben – Geht das?“

Super Beitrag, vielen Dank dafür! Auch sehr gut geschrieben, man hat fast keine Fragen danach.. Aber eine Frage hätte ich schon, ich hoffe, ich darf sie hier stellen?
Ich hatte – bevor ich diesen Artikel gesehen habe – meine Fritbox 7590 (genau dieselbe, die Du hast wohl) über den 10GB-Stecker der Salt-Box mit dem Stecker DSL/VDSL der Fritzbox verbunden. Die Fritzbox hatte danach Netz! Meine Frage ist, kann ich denn nicht den 10GB-Stecker der Salt-Box mit einem Stecker der Fritzbox verbinden der muss es – wie im Artikel beschrieben – von einem der 4 GB-Lan-Ports zu einem derselben auf der andersn Seite sein? Kann es sein, dass es inzwischen einen Firmware-Update seitens Salt gegeben hat und eine ähnliche Lösung wie im Text beschrieben gibt, aber dafür schneller?
Falls Du magst, würde ich mich über eine Antwort sehr freuen. Ansonsten werde ich es so einrichten, wie von Dir beschrieben. Zumal ich kein Netwzwerktechniker bin und schnell an den Anschlag komme..
Vielen Dank sowieso!

Hoi Florian
Freut mich erstmal, dass dir der Artikel schonmal etwas helfen konnte. Sorry für die späte Antwort.
Also ich bin nicht zu 100% sicher, ob ich deine Frage genau verstanden habe. Ich denke du möchtest wissen, ob du die ganze Einrichtung, wie ich sie vorgenommen habe auch brauchst, weil du “einfach so” Netz bekommen hast, richtig?
Über ein Firmware Update, wass dir diesen sogenannten “Bridged” Modus erlaubt bin ich mir bisher nicht bewusst, ist aber durchaus möglich, da wohl schon lange von Salt versprochen.
Wenn dem nicht so ist, dann ist es nicht so ganz trivial, weil dann der Saltbox nicht klar ist, dass sämlticher Traffic eigentlich an die Fritzbox weitergeleitet werden soll.

Meine Antwort kam ja leider sehr verspätet, aber es würde mich sehr interssieren, ob es jetzt so einfach bei dir geklappt hat.

Viele Grüsse
Nils

Hallo Nils
Vielen Dank für die super Anleitung!

Wie ist der Raspery mit dem Fritzrouter und Modem verbunden? Hast du einen mit 2 Ethernetdosen?

Viele Grüsse
I. S.

Hi
Danke erstmal für die netten Worte!

Sorry, wenn es nicht ganz klar geworden ist. Vielleicht muss ich das nochmal überarbeiten.
Der Raspberry ist via Ethernetkabel nur mit dem Salt Router verbunden.
Dann gibt er die Anfragen ÜBER den Salt Router an die Fritzbox weiter und von dort passiert dann der Rest.

Ich hoffe das erklärt es ein wenig.

Viele Grüsse
Nils

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