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Kompletter Amazon Prime Video Katalog in der Schweiz mit persönlichem SmartDNS Server für ~4,5CHF/Monat

Dies ist nun der zweite Teil des Beitrags zum Freischalten vom gesamten deutschen Video Katalog bei Amazon Prime Video oder anderen Streaming Anbietern. Den ersten Teil findet ihr hier.

In diesem Artikel möchte ich euch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben, wie ihr euch einen eigenen SmartDNS Server einrichten könnt, der auf der einen Seite günstiger ist, als die meisten Dienste die man im Internet finden kann. Wichtiger noch, ihr müsst euch keine Sorgen machen, dass eure Daten von einem dieser Anbieter mitgeschnitten werden, da alles in eurer Hand liegt. Zugegeben das Einrichten und benutzen des Servers ist etwas aufwendiger, als es das bei den speziellen Dienstleistern ist, aber dafür bekommt man auch mehr Kontrolle über seine Daten für weniger Geld. 😉

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Falls ihr über meinen Link ein kostenloses 30 Tage Probeabo abschliesst, dann würdet ihr mich und den Blog sehr unterstützen. 🙂 Nun aber zum Tutorial.

Ziel dieses Tutorials soll es sein eine möglichst einfache und detaillierte Anleitung zu geben, wie ihr euren persönlichen SmartDNS-Server bei einem Cloud Hosting Anbieter oder auf eurem eigenen Server installieren könnt. Damit könnt ihr dann genau z.B. aus der Schweiz den kompletten Katalog von Amazon Prime Video aus Deutschland geniessen und das zu einem Preis, wo es sich auch noch lohnt.

Tipp: Ihr könnt die Zugangsdaten zu eurem Server später auch an eure Freunde weitergeben und euch die Kosten für den Server ggf. teilen.

Schritt 1: Hosting des SmartDNS-Servers

Anfangs einmal müssen wir uns für einen Hoster entscheiden bei dem wir unseren Smarten DNS-Server laufen lassen wollen. Grundsätzlich gibt es dafür eine Vielzahl an Möglichkeiten. Entweder ihr habt einen Freund oder Familie, die in dem Zielland leben und könnt auf einem ihrer Computer oder NAS Geräte euren Server installieren. Das ist aber sicherlich nicht immer ganz einfach und es gibt noch einige Dinge mehr, die man abklären muss. Für mich wäre es zum Beispiel auch eine Möglichkeit den NAS Server bei meinen Eltern zu benutzen. Wenn dort aber das Internet oder der Strom ausfällt, dann stehe ich im Regen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin sich einen VPS (Virtual Private Server) bei einem klassischen Hosting Anbieter zu mieten. Dies ist sicher keine schlechte und auch recht günstige Variante, da unser Server nicht viel Rechenpower oder dergleichen benötigt. Bei meinem geliebten netcup.de (Wie immer bitte Bescheid geben für einen 10% Gutschein) wird man schnell fündig und für etwa 2,50 CHF / Monat hat man auch schon alles, was man braucht, WENN man nur dir Angebote aus Deutschland sehen möchte. Dies ist sicher ausreichend für die meisten Fälle, aber ich hätte gerne etwas Flexibilität. Daher habe ich mich für Möglichkeit drei entschieden.

Als dritte Möglichkeit dachte ich mir, ich mache es wie die grossen und hoste meine Maschine bei Amazon, Google oder Microsoft in der Cloud. Dort hat man nämlich Datencenter überall auf der Welt und kann sich dann relativ einfach dort hin “teleportieren”, wo man sein möchte. Das habe ich sogar als erstes gemacht und es hat auch funktioniert, jedoch habe ich erst dann einmal hochgerechnet, was mich das ganze kostet.

Da diese Anbieter alle auch den externen Traffic verrechnen hat sich das ganze ganz schnell ausgehostet, wenn man ein Paar Videos schaut. Zum Glück konnte ich mit einigem suchen doch einen Anbieter finden, der relativ günstig ist und zugleich auch noch eine ganze Menge Traffic inklusive hat (500GB / Monat). Damit komme ich hin, wenn ich nicht den ganzen Tag 4K streame. 😉 Der Anbieter nennt sich VULTR und bietet alles, was ich brauche. Wenn ihr euch über diesen Link anmeldet, gibt es 100$ für 30 Tage gratis, damit könnt ihr es einfach mal ausprobieren.

Sollte es irgendwann bei VULTR nicht mehr funktionieren oder dort die gewünschte Region nicht verfügbar sein, dann lässt sich das Tutorial auch auf andere Anbieter ummünzen.

Schritt 2: Aufsetzen der Virtuellen Maschine

Habt ihr euch angemeldet dann gelangt ihr über einen Klick auf “Products” auf die Übersicht eurer gebuchten Services. Hier wollen wir nun über einen Klick auf das blaue + einen neuen Server erstellen.

Products Vultr

In der nächsten Ansicht müssen wir auswählen, was für eine Art Server wir haben möchten. Hier wählen wir “Cloud Compute”.

Cloud compute vultr

Danach können wir ganz einfach die Region auswählen, in der unser Server stehen soll. Ich wähle hier Frankfurt, Deutschland aus, da ich ja den deutschen Katalog von Amazon Prime Video freischalten möchte. Möchte man eine andere Region freischalten, dann muss man dort den Server Standort einstellen.

Server location vultr

Im nächsten Schritt müssen wir das Betriebssystem wählen, welches auf unserer Instanz laufen soll. Ich wähle hier immer Ubuntu 18.04 x64. Prinzipiell sollten auch andere Linux Distributionen funktionieren, aber mit dieser kenne ich mich am besten aus.

Server type vultr

Schlussendlich wählen wir die kleinste Serverinstanz für 5$ / Monat. Sollten wir den Server nur teilweise benötigen, weil wir ihn grade mal im Urlaub brauchen oder nur eine bestimmte Serie schauen wollen, dann wird es nochmal günstiger, da er stündlich abgerechnet wird.

Server size vultr

Der letzte Schritt, der nun noch fehlt, ist eigentlich nur noch einen Namen wie “MySmartDNS” zu vergeben und dann auf “Deploy Now” zu klicken. Damit wird die Server-Instanz hochgefahren und eingerichtet. Nach kurzer Zeit ist der Server dann auch schon verfügbar.Screenshot 2020 10 22 at 19 55 15

Schritt 3: Mit dem Server verbinden

Nun läuft unsere Serverinstanz und wir wollen den SmartDNS Server darauf installieren.

Zuerst einmal müssen wir uns aber via ssh auf der neuen Instanz einloggen. Unter Windows lädt man sich dafür am besten PuTTY herunter. Unter MacOS oder Linux nimmt man einfach das Terminal.

Um sich einzuloggen brauchen wir natürlich die Zugangsdaten. Dafür klicken wir wieder unter Produkte auf unsere neu erstellte Instanz.

Meine instanz vultr

Dadurch gelangen wir dann auf die Einstellungsmöglichkeiten und den Informationsbildschirm. Hier haben wir eigentlich schon alle Daten, die wir brauchen.

Anmelde daten smartdns

Mit diesen Daten können wir uns nun auf dem Terminal auf dem neuen Gerät anmelden. Dafür tippen wir folgenden Befehl in das Terminal ein.

ssh root@[Hier die IP Adresse eintragen]

Dann erhalten wir die Aufforderung der Verbindung zuzustimmen. Dies tun wir indem wir “y” oder “yes” eintippen und mit Enter bestätigen. Danach müssen wir das Passwort aus unserer Übersicht bei Vultr eintippen und wieder mit Enter bestätigen. Nun sind wir eingeloggt.

Jetzt wollen wir noch einmal jegliche Software auf dem System auf den neusten Stand bringen. Das tun wir mit folgendem Befehl

apt-get update && apt-get upgrade

Schritt 4: Einrichten des SmartDNS Servers

Nun geht es an die Installation und Einrichtung. Keine Sorge, das wird deutlich einfacher als man denkt (einen grossen Dank an ab77 und die ganzen Unterstützer). Wir brauchen nämlich nur einige wenige Zeilen Code ausführen und der SmartDNS ist schon einsatzbereit.

Sind wir einmal eingeloggt geben wir folgenden etwas längeren Befehl ein, um quasi alles auf einmal zu installieren.

apt-get update\
&& apt-get -y install vim dnsutils curl sudo\
&& curl -fsSL https://get.docker.com/ | sh || apt-get -y install docker.io\
&& mkdir -p ~/netflix-proxy\
&& cd ~/netflix-proxy\
&& curl -fsSL https://github.com/ab77/netflix-proxy/archive/latest.tar.gz | gunzip – | tar x –strip-components=1\
&& ./build.sh

Dadurch wird die gesamte benötigte Software heruntergeladen und installiert. Das kann schonmal ein paar Minuten dauern. Ist dies alles durchgelaufen, dann ist der Proxy eigentlich auch schon einsatzbereit.

Wichtig ist am Ende die Zugangsdaten zur Adminoberfläche zu notieren. Diese sollten am Ende der Installationroutine angezeigt werden.

Sollte das bei euch nicht der Fall sein (bei mir hat es auch schonmal nicht geklappt, dann bitte dem nächsten Schritt folgen).

Wer noch mehr Infos zu der verwendeten Software haben möchte wird hier fündig: https://github.com/ab77/netflix-proxy

(Optional) Schritt 5: Zurücksetzen der Zugangsdaten

Ich weiss nicht genau warum, aber mir wurden auf verschiedenen Systemen am Ende der Installation die Zugangsdaten teils nicht angezeigt. Dies ist aber kein Problem. Man muss sich nur zu helfen wissen. Wir führen einfach das Reset-Skript aus. Das geht folgendermassen:

 source venv/bin/activate

Zuerst aktivieren wir die richtige Umgebung, in der das Skript ausgeführt werden soll.

./auth/admin-reset.sh

Dann können wir einfach das Skript zum Zurücksetzen ausführen. Wir werden aufgefordert ein neues Passwort einzutippen. Haben wir das einmal getan sind wir auch schon fast fertig mit der Einrichtung.

Schritt 6: IP-Adresse freigeben

Wir müssen als letztes nur noch die IP-Adresse unseres Servers in einem Browser unserer Wahl auf Port 8080 aufrufen.

Dafür einfach folgendes in der URL Zeile eintragen:

[Unsere IP-Adresse]:8080

Dann sollte ein Bildschirm aufgehen, wo wir uns mit den festgelegten Daten einloggen können. Der Benutzername lautet Admin und das Passwort ist das grade eben festgelegte.

Sind wir dann eingeloggt, dann können wir über den Knopf “Add” die IP-Adresse unseres Computers, die wir aktuell von unserem Provider bekommen haben freischalten. Dies ist immer wieder zu tun, wenn sich unsere IP-Adresse ändert. Mit etwas mehr Aufwand lässt sich dies auch quasi automatisieren, jedoch hat es für mich auf diese Weise völlig ausgereicht bisher.

Ich weiss, dass das natürlich etwas Mehraufwand bedeutet, aber ich würde sagen es ist der Preis den ich gerne für mehr Sicherheit und Privatsphäre bezahle.

Schritt 7: Einrichten auf unserem Gerät!

Schlussendlich ist das letzte, was getan werden muss, nur noch das einrichten auf unserem Gerät der Wahl.

Dabei kommt jetzt auch einer der ganz grossen Vorteile des Smarten DNS-Servers zum Vorschein, denn die Einrichtung dauert wirklich nur 1-2 Minuten pro Gerät.

Alles, was wir tun müssen, ist, in die Interneteinstellungen des jeweiligen Gerätes zu gehen und dort in den Einstellungen unseres WLAN / LAN Anschlusses den DNS-Server zu ändern.

Dort tragen wir dann Anstelle des aktuellen Servers (meist so etwas wie 192.168.1.1) die IP-Adresse unseres eigenen Servers ein, die wir uns bereits vorhin notiert haben.

Das war’s! Vor dem Eintragen ging es nicht und danach konnte ich den kompletten deutschen Katalog von Amazon Prime Video durchstöbern.

Viel Spass dabei und bei Fragen bitte einfach ab in die Kommentare.

Anmerkung:

Eine Sache habe ich noch. Bitte habt immer im Hinterkopf, dass es keine Garantie gibt, dass das ganze auch morgen noch funktioniert. Bei mir klappt es seit einiger Zeit ohne Probleme, aber wer weiss, wie lange es noch gut geht.

2 Comments

  1. Auch Nils 23. Dezember 2020 at 8:55 - Reply

    Hi Nils, ich würde das auch gerne verwenden, funktioniert das auch mit apple tv box? Habe dort alle streamingdienste drauf. Ich möchte nicht alles über einen browser oder am computer schauen müssen

    • Nils 31. Dezember 2020 at 8:57 - Reply

      Hi Nils,
      also ich kann wirklich sicher nur für Amazon sprechen, aber da benutze ich es genau so, wie ich es beschrieben habe mit dem Apple TV und es klappt ohne Probleme bisher 🙂
      Das schöne ist ja, dass du es ohne grosse Kosten einfach ausprobieren kannst.
      Gruss von Nils an Nils

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